Nun ist das Jahrtausend richtig erwachsen

Zwischen Werden und Sein liegt ein gradueller Unterschied der Zeit. Bisher wuchs dieses laufende Jahrtausend immer noch ein bisschen heran: Es war nicht schon, sondern wurde erst erwachsen. Darauf wies ich mit einer Überschrift hier und heute vor einem Jahr freundlich hin.

Jetzt aber ist es geschafft: Ausgereift lassen wir das jugendliche Gewächs – mit besten Ratschlägen aus Geschichte und Gegenwart versorgt, umhegt, ermahnt – nunmehr selbstbestimmt jene Historie nach Christi Geburt fortführen, die gemäß der entsprechenden abendländischen Zeitrechnung nicht abstrakt mit einem Jahr Null, sondern konkret mit dem Jahr Eins ins Leben trat. Aus dieser Einsicht ergibt sich alles weitere.

Nun ist das Jahrtausend richtig erwachsen

Hoffen wir also ausschließlich Großartiges für dieses nun flügge gewordene Wesen, das als eine Art Langzeitprojekt vor achtzehn Jahren ungefragt einfach weltweit lückenlos flächendeckend zu uns kam, ab dann eben nun mal da war und sich allerdings nur überaus schwer bändigen ließ. Immerhin hat es aber mittlerweile durchaus von solch hehren Begriffen wie Glaube und Vernunft wenigstens von ferne gehört. Es ist somit aus dem Gröbsten raus. Umfragen, die ich leider nicht persönlich gefälscht habe, scheinen diesen Befund alternativlos zu bestätigen.

Und nun steht die Berufswahl an. Ausbildung oder Studium? Wir gehen davon aus, dass diese Frage in höchstem Maße verantwortungsbewusst angegangen wird. Sogar für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass wider Erwarten und gegen jedes ehrliche ausdrückliche Ansinnen schön geschwungener Festreden, wie sie ältere Generationen unter den Teenagern so famos zu elaborieren verstehen – … dass also auch Anno Domini MMXIX einige wenige Menschen nicht immer nur friedlich, gütig oder barmherzig agieren sollten, gibt es ja noch die Vertröstung auf den Zeitpunkt vom heutigen Tag aus gesehen in genau drei Jahren: Dann nämlich kann, so Gott will und wir leben, unser Millennium noch eine Schippe drauflegen und auch seine Volljährigkeit kräftig feiern!

Ergeben sich nicht aus einer solchen prophylaktisch angedachten Fristverlängerung die vielversprechendsten Aussichten? Bleiben wir als Idealisten mithin ruhig und vor allem: realistisch. Wie sagt der bodenständige Optimist so treffend: „Wird schon werden“. Na also. In diesem Sinne: Denn man tau!