Beethoven light

Cosima Wagner geschiedene von Bülow aufgewachsene Liszt geborene d’Agoult war Ende des Jahres 1870 der Meinung, der deutsch-französische Krieg selbst sei die Feier von Beethovens hundertstem Geburtstag. Dies schreibt Martin Gregor-Dellin in seinem roman vrai, der 1980 erschien und auch deswegen so viel Resonanz fand, weil in diesem biographischen Meisterwerk erstmals die wenige Jahre zuvor erschienenen Tagebücher der zweiten Ehefrau des Protagonisten Richard Wagner mitberücksichtigt und verarbeitet wurden, wenn auch oft ironisierend und insofern weniger der historischen Treue denn dem romanhaft Erforderlichen verpflichtet.


Dennoch ist es unzweifelhaft, dass Beethovens Musik im Jubiläumsjahr damals für etliche militärisch bedingte Siegesfeiern herhalten musste. Damit wurde die reichliche deutsche Idee befördert und verwirklicht: Die Reichsgründung zum 1. Januar 1871 war dann nur der längst fällige Verwaltungsakt. Aus Blut und Eisen, aus den Trauermärschen der As-Dur-Sonate Opus 26 sowie der Eroica-Symphonie, aus isolierten martialischen Klängen etlicher anderer Beethovenschen Kompositionen heroischen Inhalts formte der nunmehrige Meister aus Bayreuth seine dann für die Zukunft maßgeblichen Festspielmusiken. Nach seinem Dahinscheiden 1883 gab Cosima gemäß einem selbstauferlegten Gelübde das Tagebuchschreiben auf und war fortan, bis zu ihrem eigenen Tod 1930, als gebürtige Französin und Tochter des hochberühmten Franz Liszt die „Herrin des Hügels“, sehr deutsch und immens geschäftstüchtig. 

Nun, einhundertfünfzig Jahre nach jenem Krieg, dem in Frankreich die Dritte Republik folgte und in Deutschland dank französischer Reparationszahlungen die „Gründerzeit“ des zweiten Kaiserreichs unter dem allgewaltigen Kanzler Otto von Bismarck … – also nun, anno 2020, zum zweihundertfünfzigsten Geburtstag Beethovens, harren wir einer ganz anderen und nie gekannten geschweige denn erahnten Ehre des musikalischen Genies: Corona lässt den Gedanken zu, bundesweit ab 16. Dezember Schulferien zu erteilen. Das ist unendlich mehr als das kriegerische Brimborium 1870! Nun könnten sogar die Kinder, Halbwüchsigen und Jungerwachsenen sich freizeitmäßig und weihnachtlich zugleich der Musik Beethovens widmen – nicht länger bloß pflichtgemäß im Unterricht, wenn die Fünfte oder die Neunte langweilen, sondern richtig aktiv … aber wie genau? Ach ja, alles Diesbezügliche ist leider untersagt. Konzerthäuser bleiben zu, Ensemblemusik und Orchester-oder Chorproben sind verboten, der Jubilar ist zum Schweigen verdammt. Unsere Kultur wird gerade insgesamt abgewickelt, ohne Rücksicht auf Verluste. Alles, was an Hygienekonzepten kostenintensiv in den letzten Monaten auf die Beine gestellt wurde, wird grausam ignoriert.

16. Dezember 1770 / 2020: Zweihundertfünfzig Jahre nach seiner Geburt ist somit auch Ludwig van Beethoven gesellschaftlich ausgezählt und entsorgt. Was Thomas Mann im Roman „Doktor Faustus“ 1947 mit seinem alter ego Adrian Leverkühn vorausahnte: die Musik humaner Herkunft womöglich zurücknehmen zu müssen – es wird unter völlig anderen Voraussetzungen nun zu bitterer Wirklichkeit. Übrigens ist das Kapitel, in dem Martin Gregor-Dellin in seinem Buch über den selbsternannten Beethovenvollender Richard Wagner das Jahr 1870 beschreibt, nach einem Begriff aus Manns „Betrachtungen eines Unpolitischen“ (1918) betitelt und lautet: „Machtgeschützte Innerlichkeit“. Freilich wird dies wohl dem Wagner-Clan, mitnichten jedoch dem historischen Beethoven gerecht: Der stand zwar unter der Protektion adliger Gönner – doch innerlich glühte er bis zuletzt gegen alle Machtgeschütze und durchschlug mit seiner Musik jede ständisch-angemaßte Selbstgefälligkeit. Wäre doch schön, wenn der Jubel über vorzeitige Ferien sich mit einer irgendwie artikulierten hommage à Beethoven produktiv verbinden könnte.

Update 26. November 2020:  Der 16. Dezember ist es nun leider nicht geworden. Kein Ferienbeginn an Beethovens Geburtstag. Hier wurde die Chance verpasst, trotz aller derzeitigen musikalischen Aufführungsverbote zumindest pädagogisch wertvoll die unmittelbare Freude wirken zu lassen, die der 250-Jahres-Jubilar ausgeströmt hätte. „Beethoven ist cool – seinetwegen gibt’s mehr Ferien“: solch junges Lob fällt nun aus.

Farben im Spätsommer

Wer Freiheit sucht in diesen Zeiten, ist auf die leuchtende Natur verwiesen.

Man sollte dafür dankbar sein. Kein sorgenvolles Corona-Nanny-Gehabe.

Weder Panik noch Gleichgültigkeit.

Wir wollen frei bleiben, gesund gewiss, aber auch bei aller Schönheit der eigenen Sterblichkeit deutlich bewusst.

Wem Sonnenblumen zugeeignet werden, ist ein Zeichen gesetzt: Solch ein Mensch bleibt, ob er gleich stürbe, immerdar.

Dahlien pflastern locker den Weg.

Freundliche Endlichkeit, vielleicht Vorbild den Streithähnen und Lästerhühnern überall auf dem gebeutelten Erdball.

Helle Blumen am Wegesrand.

Glückhafte Ernten an sicheren Bäumen.

Beste Blömeken, Planten un Bloemen, Sonne zuvor und hoffentlich kräftig danach.

Sommer-Ende

Wir sind am Ende eines besonderen Sommers. Corona prägte sein Wesen. Wie schade! So viele Schönheiten des Lebens in Flora und Fauna gingen im allgemeinen Geplärr von Klimakrisenpanik, Rassismusunterstellung und Genderismus völlig unter.

Schmetterlinge im Sonnenbad lassen die Unsicheren unter den hartherzigen Ideologen vielleicht doch noch erweichen. Wenn nicht, dann gnade uns Gott.

Katzenfoto

Ein bekanntes „soziales Netzwerk“ aus Kalifornien wird manchmal verspottet, weil seine Nutzerinnen und Nutzer hauptsächlich „Katzenfotos“ verbreiten würden. Dem widerspreche ich energisch, weil die in Rede stehenden Tiere solch eine herablassende Bemerkung nicht verdient haben. Dass der Internetgigant seine wahren Absichten hinter der Präsentation solcher Bildchen geschickt verbergen mag, sei allerdings deshalb nicht bezweifelt – im Gegenteil: Hier kann er unbemerkt einen Kuschelkurs fahren und dem freudigen Entzücken seiner Milliarden User unbeschwerte Likes mühelos entlocken.

Dass sich die wendigen, eleganten, nachtaktiven, eigensinnigen und schnurrigen Kreaturen davon überhaupt nicht beeindrucken lassen, gehört zur schnöden unverfälschten Wahrheit unbedingt hinzu. Unabhängigere, schlauere, ja freiere Wesen lassen sich kaum denken. Und auch im domestizierten Zustand bleiben sie mit ihren Augen und Krallen unerschrockene Raubtiere, auf leisen Pfoten zwar, aber konsequent und letztlich unbezähmbar. Damit haben sie es sowohl zu Hausgenossen (in Europa) als auch zu heiligen Tieren (im alten Ägypten) gebracht. Ein Kater kann gestiefelt (Ludwig Tieck) sein oder seine Lebensansichten (E.T.A. Hoffmann) verbreiten, er mag durch die Mondnacht streifen, sich mit seinesgleichen balgen und seine Amouren haben. Wenn die Katze mit der Brille (Ilona Bodden) sich indes vor Mäusen zu fürchten beginnt, muss sie ihr Gemahl wieder auf den rechten Weg bringen. Bildungsbeflissenheit darf nie auf Kosten des Selbstbewusstseins gehen. Printmedien, Funk und Fernsehen sowie World-Wide-Web sollten den Blick auf das Wesentliche nicht verstellen.

Da trifft es sich gut, dass heute, wie an jedem 8. August seit nunmehr achtzehn Jahren, der Internationale Tag der Katze begangen wird. Und ich kann dafür, in Form einer Reiseerinnerung, sozusagen ein echtes eigenes Katzenfoto beisteuern:

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In Ephesus war’s, vor einigen Jahren, dass sich dieses Geschöpf gelassen von mir ablichten ließ, ganz in sich ruhend, keinen persönlichen Plan preisgebend, dem eigenen Weg unbeirrt natürlich folgend und deswegen sich nicht weiter störend an den Leuten. Wer sich seiner Sache sicher ist, muss sich nicht einmischen und kann großzügig das Leben der anderen laufen sehen – wie sein eigenes. Freiheit blüht aus den Ruinen, wenn schon nicht aus denen der gegenwärtigen Zeit, dann doch herüber aus einstiger christlich gewordenen humanen Antike. Auch damals schon strichen sie samtig um die Häuser: Womöglich sind Katzen doch die besseren Menschen.

RR hdN ko

Der 6. August ist ein besonderer Tag, jedes Jahr. In den orthodoxen und katholischen Kirchen dieser Welt wird die Verklärung Jesu gefeiert. Auf dem Berg Tabor leuchtet sein Antlitz wie die Sonne; der auferstandene Christus blickt durch. In den Evangelien ist diese Szene ein erster Hinweis auf Passion und Ostern – darum steht ihre Lesung im liturgischen Kalender der lutherischen Kirche, in Abänderung der Tradition, am Letzten Sonntag nach Epiphanias an, also im Winter.

Mitten im Hochsommer, am heißen 6. August Anno Domini 1806, nahm das Duell zweier Kaiser eine denkwürdige Wendung: Der eine, Napoleon, konnte ein ganzes altes Reich nicht in sein neues einverleiben und selber dessen Imperator werden, weil der andere, Franz, seines, das vom Korsen begehrte, einfach kurzerhand auflöste. So erlitt ein mehr als achthundertfünfzig Jahre währender Staat sein Knocked-Out und wurde nie wieder – auch im übertragenen Sinne nicht – Gegenstand von irgendwelchen Boxkämpfen sprich grausamen Waffengängen, von denen doch die Zeit um 1800 so übervoll war.

Dieses Römische Reich, später heilig genannt und, nach Verlust der europäischen Dimension, seit dem fünfzehnten Jahrhundert nur noch deutscher Nation angehörig, hatte sich im Furor von Revolution, Terror und Kriegen endgültig überlebt. Kaiser Franz hatte das Ende kommen sehen und bereits zwei Jahre zuvor für sich und die Seinen ein „Kaisertum Österreich“ installiert, als Reaktion auf die Ausrufung eines französischen Kaiserreichs, ebenfalls 1804, welcher im Dezember desselben Jahres die eigenartige Selbstkrönung Napoleons in Paris folgte. So gab Kaiser Franz II. sein heiligrömischdeutsches Reich preis, um als Kaiser Franz I. von Österreich ungehindert weiterregieren zu können. Seine Gesamtregierungszeit umfasst also die Jahrzehnte ab seiner Wahl 1792 bis zu seinem Tod 1835 – vierzehn Jahre davon als deutscher König und römischer Kaiser, neunundzwanzig weitere als österreichischer Herrscher in der Nachfolge der traditionellen habsburgischen Erzherzöge.

Das Römertum ging habituell eher auf Napoleon über, der ja als „Erster Konsul“ 1799 reüssiert und zunächst den republikanischen Gedanken in der diesbezüglich aufgeheizten gesamteuropäischen Stimmung starkgemacht hatte. Sein Caesarentum wurde folglich von denen, die damals dachten und mitfieberten, vielfach als Verrat empfunden. Beethovens nachträglich-spontane Widmungsverweigerung seiner Dritten Symphonie an Bonaparte ist das vielleicht prominenteste Beispiel für den intellektuellen Umschwung jener Zeit. Napoleon wurde nun nicht länger als der tatkräftige Volkstribun einer neuen allgemeinen freiheitlichen Ordnung gefeiert, sondern als ein übler Machtmensch erkannt, der sich in der Folge in halb Europa als rücksichtsloser Kriegsherr und brutaler Militärdiktator entpuppte.

Der Griff nach dem Sein als Imperator „Empéreur“ schien andererseits folgerichtig: Nach vielen Jahrhunderten der seit der Reichsteilung von Verdun Anno Domini 843 zunächst von Aachen aus herrschenden Kaiser, während in Frankreich „nur“ Könige residierten, war nun, 1804 bzw. 1806 die Stunde der Gerechtigkeit gekommen. Diese Gelegenheit, nach rund achteinhalb Jahrhunderten, konnte und durfte nicht ungenutzt bleiben! Aber bekanntlich war bereits im Jahre 1815 mit dem napoleonischen Kaisergehabe Schluss. Und auch sein Neffe, der von 1852 bis 1870 als Napoleon III. einem französischen Kaisertum vorstand, hat dieses nicht halten können. Anschließend setzte sich dann die Republik dauerhaft durch, wenn auch in fortlaufenden Numerierungen von drei bis (derzeit) fünf. 1871 ging die Kaiserwürde wieder nach Deutschland, aber auch nur für gut siebenundvierzig Jahre. Danach, seit Kriegsende 1918, war endgültig Schluss damit.

Weder die beiden Napoleons in Frankreich noch die zwei Wilhelms (im Gegensatz zu Friedrich, dem 99-Tage-Kaiser des Jahres 1888!) in Deutschland haben sich sonderlich auffallend um das Erbe des im Jahre 1806 aufgelösten Heiligen Römischen Reiches gekümmert. Alle möglichen geistigen und institutionellen Anknüpfungspunkte wurden der neuen Zeit geopfert, und die war, spätestens seit den Ergebnissen des Wiener Kongresses 1815, eher national ausgerichtet. Dass das verflossene „Heilige Römische Reich“ den Zusatz „deutscher Nation“ eher einschränkend verstanden hatte und keinesfalls chauvinistisch, spielte nun keine Rolle mehr. Den dahinterstehenden Gedanken einer zumindest westeuropäisch-kontinentalen Einheit von italienisch-französisch-deutschem Gepräge sah fürderhin kein Mensch. Karolingische und ottonische Großzügigkeiten wurden im neunzehnten Jahrhundert von allen Seiten eher ausgeblendet und kämpferisch bestritten denn positiv und schöpferisch in Anschlag gebracht.

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Es musste erst der Zweite Weltkrieg zum bitteren Ende gelangen, um die europäischen Völker in ihrem Widerstreit innehalten zu lassen. Weltweit geschah dies erst ab einem anderen 6. August, dem des Jahres 1945, als durch US-amerikanisches Militär die erste Atombombe über bewohntem Gebiet gezündet und die japanische Stadt Hiroshima zerstört wurde. Dass man mit der Gründung der „Vereinten Nationen“ und später mit der „Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft“ versuchte, eine dauerhafte Friedensordnung aufzubauen, ist verständlich und nach wie vor begrüßenswert. Wie schade, dass diese Organisationen nun selbst im Klein-Klein sich längst verloren haben. Die UNO ist zu kraftlos, um Kriege zu verhindern. Und die „Europäische Union“ dieser Tage macht den Eindruck eines bürokratischen Monsters, das angesichts von „Corona“ alle Hemmungen zum Gelddrucken ablegt – geistige Gestaltungskraft ist da mitnichten am Werk …

Der verklärte Christus ist in Vergessenheit geraten, und mit ihm seine Wirkmacht. Im ottonischen Kirchenbau wäre eine Kraftquelle neu zu schöpfen. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute man aus den Trümmern eine neue Kirche nach alten Plänen: die Michaeliskirche zu Hildesheim erstand in ihrer ursprünglichen Gestalt. Ihr einstiger Bauherr, Bischof Bernward (in die Ewigkeit gerufen Anno Domini 1022), war zeitweilig der Erzieher des späteren Kaisers Otto III. – Klar: Die Umstände der ersten christlichen Jahrtausendwende sind längst vorüber. Aber dieses Bauwerk altdeutsch-neurömischer Kaiserherrlichkeit sowie bischöflichen Mönchtums überstand dann immerhin alle weiteren Höhen und Tiefen der Geschichte – sogar ihre Verwendung als Pferdestall und Irrenanstalt im Gefolge der durch die napoleonische Bedrängnis stattgehabten Säkularisierung. Hoffen wir, dass der Name des Erzengels Michael auch weiterhin die menschlich-gebrochenen Erinnerungen wachhält; denn, seien wir ehrlich: Wer ist schon wie Gott?

RR: Römisches Reich.
hdN: heilig, deutscher Nation.
ko: knocked-out. Hoffentlich nicht. Das göttliche Humanum möge leuchten wie die Sonne.
Weitere Texte zum Thema in diesem Weblog:
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https://feoeccard.com/2018/08/06/vergessener-tag/
https://feoeccard.com/2016/02/09/otto-und-sein-ausgefranztes-reich/

Heilige Weisheit?

Jetzt ist es amtlich: In der Hagia Sophia zu Konstantinopel sollen wieder, wie in den Jahren von 1453 bis 1934, islamische Gebete abgehalten werden können. Orthodoxe und römisch-katholische Sprecher äußern Unmut, bis hin zum Zorn. Sie werden bestärkt von den jeweiligen Regierungsvertretern in Athen und Moskau beziehungsweise vom Heiligen Stuhl. Evangelische Repräsentanten machen sich im wesentlichen eine Stellungnahme des Weltkirchenrates zueigen und sprechen in je persönlichen Variationen ihr Bedauern aus. Sie haben allerdings kaum Rückhalt durch entsprechende Verlautbarungen aus der Politik. Interessanterweise kommt aber auch, zumindest in Deutschland, von muslimischer Seite Kritik. In der Türkei selbst sind es naturgemäß die Kemalisten, denen die Gründung der laizistischen Republik 1923 als undiskutable historische Errungenschaft erscheint.

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Die Argumente gegen die Entscheidung des türkischen Obersten Verwaltungsgerichts sind vielfältig: Das Gotteshaus, anno 537 eingeweiht, sei als Kirche erbaut und müsse, wenn es denn schon kein Museum mehr sein solle, umstandslos wieder zu einer solchen werden. Es mangele in Istanbul mitnichten an Moscheen, da brauche man über die jetzt bestehenden hinaus keine weiteren. Auch sollte alles vermieden werden, was den Streit unter den Religionen neu anfachen könne; denn man lebe schließlich im 21. Jahrhundert: Aus überwundenen schlimmen Zeiten von Glaubenskriegen habe man doch hoffentlich gelernt. Toleranz sei das Gebot der Stunde und die Hagia Sophia ihr Wahrzeichen, habe doch Atatürk bei ihrer Neueröffnung als Museum im Februar 1935 von ihr als dem Ort gesprochen, wo sich einst zwei Konfessionen voneinander trennten – im Jahre 1054 die West- und die Ostkirche –  und nunmehr zwei Religionen – Christentum und Islam – zusammenfänden. Das Bauwerk trage gewissermaßen durch ihr langes 1500jähriges bloßes wenngleich wechselvolles Dasein die Botschaft des Friedens in sich.

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Von unbedingten Forderungen über praktische Hinweise bis hin zu idealistischen Träumereien spannt sich also der hüben wie drüben religiöse und mehr oder weniger geistreiche Bogen. Griechenland und Russland erkennen dahinter glasklar die machtpolitischen Dimensionen. Und die Menschenmenge, die vergangenen Freitag, einen Tag nach dem Urteil, sich vor dem bisherigen Museum unter freiem Himmel zum Gebet zusammenfand, war entsprechend lauthals freudig erregt von dieser „zweiten Eroberung“ und der damit verbundenen islamischen „Raumgewinnung“. Damit stand quasi die Wiederholung des 29. Mai 1453 an: Mehmet der Eroberer hatte ja durch seine Heere an diesem Tag die Hauptstadt der morgenländischen christlichen Welt zu Fall gebracht. Er, der Sultan, erklärte sich durch diese militärische Tat zum legitimen Nachfolger der römischen Kaiser und wandelte das östliche römische Reich um in jenes muslimisch-türkisch dominierte Herrschaftsgebiet, das erst rund 470 Jahre später, in der Folge des Ersten Weltkriegs, unterging. Da war also von vornherein ein Machtanspruch wirksam, der die grausamen Türkenkriege hervorrief und Europa in den nächsten drei Jahrhunderten immer wieder in Angst und Schrecken versetzte.

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Die Hagia Sophia aber war während all dieser historischen Ereignisse und weltgeschichtlichen Dramen nie nur ein Gotteshaus. Sie war vielmehr für rund 900 Jahre die Eigenkirche der römischen Kaiser, die von Konstantinopel aus seit dem Jahr 330 ihr christliches Reich regierten. Am „Nabel der Welt“ wurden sie, die irdisch-himmlischen Mittler, im Sinne eines Caesaropapismus gekrönt und später gern als Inhaber sowohl der weltlichen wie der geistlichen Gewalt in kunstvollen Mosaiken verewigt. Übrigens sprach seinerzeit vom „Byzantinischen Reich“ dort niemand, erst recht nicht vom „Oströmischen Reich“; denn man sah sich selbst ja als organische Fortführung des einen römischen Weltkreises, mit dem „Neuen Rom“ als Zentrum, von Konstantin dem Großen eben vom Tiber an den Bosporus verlegt und mit seinem griechischen Namen versehen: Konstantinoupolis, Konstantinopel, Stadt des Konstantin. Erst ein deutscher Bücherwurm des 16. Jahrhunderts hat den heutzutage geläufigen kulturgeschichtlichen Begriff „Byzanz“, „byzantinische Kunst“ etc. erfunden: https://feoeccard.com/2017/06/08/hieronymus-wolf/. Ab 1453 gehörte das Bauwerk dem Sultan persönlich, ganz analog zur vormals kaiserkirchlichen Bestimmung,  und wurde im Rahmen einer Stiftung folgerichtig zur Moschee. Dies legte Mehmet II. „der Eroberer“ in seinem Testament fest.

Es war nun dieses Schriftstück, das den jetzigen Richterspruch sowie die nachfolgende Entscheidung des türkischen Ministerrates begründet. Damit ist faktisch die Staatsgründung vom Oktober 1923 durch Mustafa Kemal Pascha Atatürk übergangen und für im Grunde ungültig erklärt worden. Die Republik hat in ihrem wesentlichen Gehalt aufgehört zu existieren, wenn ein Beschluss des damaligen Ministerrats vom November 1934 als nichtig bezeichnet wird, weil er angeblich gegen die Bestimmungen des Begründers eines untergegangenen Vorgängerstaates, nämlich des Osmanischen Reiches, verstößt. Dass das erste Freitagsgebet in der Hagia Sophia nach dem jüngsten Gerichtsspruch nun ausgerechnet am 24. Juli verrichtet werden wird, ist ebenfalls historisch brisant: Es ist nämlich der Jahrestag des Vertrags von Lausanne 1923. Darin wurden die neuen Grenzen der bis dahin in Besatzungszonen aufgeteilten Rest-Türkei festgelegt, unter anderem aber auch der leidvolle „Bevölkerungsaustausch“ zwischen Türken und Griechen besiegelt und im übrigen etliche christliche Minderheiten, die seit 1915 Opfer des Völkermordes geworden waren, nicht weiter berücksichtigt. Das grausame Martyrium von Armeniern und Assyrern wird seitdem von offizieller Seite krampfhaft verschwiegen und seine Benennung strafrechtlich geahndet. Da sind sich Kemalisten und Erdoganisten bis heute erschreckend einig.

Das Vermächtnis des Sultans Mehmet II. legte allerdings auch für alle Zeiten fest, dass die vormaligen Kirchengebäude des römischen Staates weder zerstört noch bilderstürmerisch versehrt werden dürften. Der Eroberer von Konstantinopel hatte eine christliche Mutter, und deren Andenken verbot es dem wüsten Heerführer ganz offensichtlich, die geistlichen Kunstwerke der griechischen Orthodoxie hemmungslos zu vernichten. Die Fresken und Mosaiken etlicher byzantinischer Kirchenräume sind demzufolge erhalten geblieben, oft unter Putz oder Stoffbahnen. Mit der Umwandlung der Hagia Sophia von einer Moschee in ein Museum Mitte der 1930er Jahre war also auch die Freilegung von seit rund 480 Jahren verborgenen Bildwerken verbunden. Zugleich konnten Ausgrabungen stattfinden; die Archäologie kam zu ihrem Recht, Kunstgeschichte wurde legitimiert in einem Umfeld, das bis dahin von solchen Dingen kaum etwas wissen wollte. Und weil Atatürk vieles war, nur nicht religiös, konnte unter seiner Ägide das Bauwerk der Heiligen Weisheit zu einem säkularen Museum werden, das die neun Jahrhunderte als christliche Kaiserkirche und die knapp fünf Jahrhunderte als muslimische Sultansmoschee sozusagen gleichberechtigt miteinander zu präsentieren vermochte. Die Republik hielt sich aus Glaubensdingen nach außen hin heraus, während sie allerdings zugleich einseitig das Türkentum förderte, auf Kosten aller anderen Bewohner des neuen Staates. Der „europäische Staat mit islamischer Bevölkerung“, dessen Verfassung sich am französischen Laizismus und am schweizerischen Rechtssystem orientierte, war von Anfang an in einem nationalistischen Widerspruch gefangen; denn der Republikanhänger Parole „Die Türkei den Türken“ legte jegliche Religionsfreiheit in Fesseln, sofern die im Volk verwurzelte sunnitische Religion nicht, wie von Atatürk durch seine rigiden Maßnahmen erwartet, einfach binnen kurzem verschwand.

Ende von Sultanat und Kalifat, Verbot von Kopftuch und Fez, Einführung europäischen Kalenders und lateinischer Schrift sowie Installierung vor allem französisch-republikanischer Staatstugenden sollten die vormaligen „Jungtürken“ voranbringen in eine neue Zeit. Das Ganze entlarvte sich indes irgendwann als eine aufgepfropfte Ideologie, die den Menschen vor Ort mehr nahm als gab. Wer geschichtlich gewachsene Gewohnheiten mit einem Federstrich abschafft, ohne dass das Neue einen nachhaltigen Rückhalt im Volk besitzt, wird irgendwann scheitern. Und dann kommt die Stunde der Spießbürger: „Ach, sieh an, ich dacht‘ es gleich“. Dies ist jetzt der glorreiche Augenblick aller noch verbliebenen Erdoganisten. Die Hagia Sophia wird neuerlich und zum wiederholten Male ein Objekt machtpolitischer Setzung. Unser vormals christlich-politisches Europa, also das, was man mehr oder weniger romantisch mal als das Abendland bezeichnet hat, steht deshalb so fassungslos vor dieser historischen Zäsur, weil es ernstlich nicht mit der Wiederkehr des machtbewehrten Religiösen gerechnet hat. Glaube ist für die westeuropäischen Granden eigentlich nur noch etwas fürs Museum. Daher fand man den bisherigen Status der Hagia Sophia bequem, ausgewogen und in seiner nie beim Namen genannten Zahnlosigkeit touristisch wunderschön. Die Machtkämpfe dahinter wurden geflissentlich ignoriert. 

Im Jahre 2011 gab es schon einen Testlauf: Damals wurde die Hagia Sophia zu Nizäa in eine Moschee umgewandelt. Isnik, wie der Ort heute heißt, südöstlich von Istanbul gelegen, war Schauplatz des ersten sowie des siebten und letzten der Ökumenischen Konzile, also der von allen christlichen Kirchen in ihren Lehrentscheidungen anerkannten Bischofsversammlungen. Im Jahre 325 bejahte man die Frage, ob Jesus als der Christus „wahr Mensch und wahrer Gott“ sei; anno 787 entschied man abschließend, dass Bildnisse mit dem Glauben vereinbar sind. Die Kunst nahm neuen Aufschwung, unsterbliche Ikonen, Fresken und Mosaiken entstanden. Aus dieser Zeit stammen auch die Werke in der Kaiserkrönungskirche zu Konstantinopel. Aber in der vormaligen Kirche, da das Konzil gegen die Ikonoklasten, die Bilderstürmer des achten Jahrhunderts tagte, erinnert an die dort erlaubten Bilder nichts mehr.

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Mehrfach wechselten Konfession und Religion, im Jahr 2000 war es dem Patriarchen von Konstantinopel für einmal durch die türkische Religionsbehörde gestattet, eine Weihnachtsmesse abzuhalten. Das war’s dann. 1920 schon war diese kleine Hagia Sophia zum Museum gemacht worden, mit der Option, dass in der ehemaligen Kirche auch hin und wieder christliche Gottesdienste stattfinden könnten. Der Wind drehte sich recht bald. In Westeuropa, bei uns also, hielt sich über viele Jahrzehnte das Interesse an solchen Vorgängen oder eben Nicht-Ereignissen in überschaubaren Grenzen. So wird es auch jetzt wieder sein, bei der großen Hagia Sophia, der Heiligen Weisheit zu Konstantinopel.

Fotos (alle Aufnahmen aus dem Jahr 2016): (1) Hagia Sophia, Innenraum mit christlichen und islamischen Elementen. (2) In der Hagia Sophia wird immer irgendwo gebaut, erneuert, ausgebessert. (3) Der Nabel der Welt. (4) Kirche des Konzils 787 in Nizäa, erbaut im 4. Jahrhundert, im Laufe der Jahrhunderte mal Kirche, mal Moschee, seit 1920 Museum, seit 2011 Moschee. Die Abschnitte, wo man als Muslim beten kann, sind mit Teppichen ausgelegt. Die für das Gebet gen Mekka nicht benötigten Ecken des Gotteshauses sind weiterhin touristisch zugänglich. Wird so eine Aufteilung auch in der großen Hagia Sophia in Konstantinopel erfolgen? Und was spräche eigentlich gegen die Möglichkeit, dort neben den muslimischen Freitagsgebeten auch christliche Sonntagsgottesdienste abzuhalten?   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ob solche Folgen erwünscht sind?

Die Coronapandemie zeitigt Effekte, die bis vor kurzem noch rundweg strafbar waren. Das Vermummungsverbot galt unangefochten. Radikalinskis aus sämtlichen extremen Ecken, lechts wie rinks, wurden entsprechend dingfest gemacht – im Zeichen einer offenen Gesellschaft, die sich dem Grundsatz „Mehr Demokratie wagen“ verpflichtet wusste. „Gesicht zeigen“ war angesagt in allen Variationen. Das offene Visier, der herzhaft entwaffnende Blick, das freundliche Zwinkern aus freiem Antlitz, die Beziehung von Angesicht zu Angesicht, unbedingt persönlich und eben zutiefst menschlich: all das machte das Leben wesenhaft abendländisch aus.

Dann kam bekanntlich die Seuche, und viele Wochen später, nachdem sich das Virus schon längst breitgemacht hatte, auch eine „Maskenpflicht“ in bestimmten Alltagsbereichen. Nur wurde gleich mitgeteilt: Medizinisch wirksame Schutzschürze würde es für den plebs keinesfalls geben; man solle sich notfalls mit normalen Tüchern ausstatten, das genüge schon. Na wunderbar. So dringend konnte es also um die Volksgesundheit nicht bestellt sein. Darum holte ich, in beflissener Umsetzung der dringenden und zugleich irgendwie höchst nachlässigen offiziellen Empfehlung, mir mein olles Palituch (modern in den 1970/80er Jahren) hervor:

https://feoeccard.com/2020/04/16/back-to-the-seventies/

Aber die alljährlich sich als unbesiegbar erweisende Sonne bewirkte weitere Schritte, um hienieden im regierungsamtlichen Klein-Klein die Einzelpersönlichkeit zu entwerten:

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Nicht nur, dass jetzt ein Mundnasenschutz (MNS) in öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen getragen werden muss; und besonders ängstliche Mitmenschen ihr angebliches Schutztextil auch darüber hinaus aufsetzen, etwa beim Spaziergang, auf dem Fahrrad oder gar in Gottesdiensten. Als ob frische Luft, freier Fahrtwind oder die mittlerweile sprichwörtlich gewordenen „Aerosole“ nachgerade schädlich seien … Vorauseilender Gehorsam, wohin der erstaunte gesunde Menschenverstand auch blickt. Nun scheint in solch vermaledeiten Zeiten von Frühjahr und Sommer noch öfters mal die Sonne: Da benötigt man unbedingt getönte Augengläser – und zu allem hygienisch-hysterischen Überfluss noch ob des figurativen Figaro-Finales eine so richtig finale Finesse:

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Weil nämlich das Haareschneidenlassen derzeit so unendlich kompliziert gemacht wird, von der ausschließlich telefonischen Anmeldung über den geforderten Nass-Schnitt bis hin zur irgendwie kontaktlos zu geschehenden Gesamtprozedur, gibt es mittlerweile Zeitgenossen, die sich um ihren wirrwildwachsenden Schopf nicht weiter scheren (!) und ihn im Zweifelsfall doch lieber unter einer Kopfbedeckung zu zähmen versuchen.

Also: MNS ist Standard. Sonnenbrille deucht den Coolen unerlässlich. Mütze scheint schicklicher als Barhaupt. So schnell zerrinnt die bürgerliche Hochkultur schöner Seelen. Burkaträgerinnen und Mitläufer im „Schwarzen Block“ erfüllen da doch wunderbar staatstragend die aktuellen Vorgaben zur vollsten Zufriedenheit. Es tut mir leid: Da bleibt einem, ehrlich gesagt, mit dem Titel von Grabbes Komödie aus deutschem Vormärz (1822) gesprochen, Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung ziemlich erschreckend vorhersehbar im Halse stecken.

Sich regen bringt Regen – oder auch nicht

Damals brachte Regen nicht nur Segen. Man musste mit Reagan rechnen, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Oder mit saurem Regen. Und natürlich mit dem kontaminierten Spinat in der Folge von Tschernobyl. Es waren sozusagen schreckliche Zeiten. Alle hackten auf uns bundesdeutschen Normalbürgern herum. Die Franzosen spotteten über le Waldsterben und Großbritanniens Premierministerin wollte my money back. In solch schweren Zeiten, da mundnaseschützende Maulkörbe noch nicht schicklich waren, griff man in armen studentischen Zirkeln zu schwarzen Regenschirmen.

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Die hatten etliche Vorteile. Man konnte sich verbergen beim kleinsten Anflug von Niesen und Husten, ohne doch völlig zu vereinsamen. Um es ganz lebensnah zu sagen: Wenn jemand in unserem Studentenwohnheim Zeichen solch einer Krankheit zu erkennen gab, schlüpfte er/sie (es gab’s 1986 noch nicht) hinter eines dieser dunklen weitgespannten Utensilien, ließ sich die Haare wachsen und lachte sich eins. Dabei galt grundsätzlich die Verabredung: Am dritten Tage auferstanden von den Toten. Glaubensstark und humorvoll zugleich. Wahres Christentum.

Manchmal mussten überängstlichen Mitbewohner*inne*n zusätzliche Lektionen erteilt werden. Dann konnten Schutzschirme durchaus zu Stichwaffen mutieren. Wer das unangemessen fand, dem/der stand es frei, die Wohneinheit und den dazugehörigen Flur zu verlassen und sich ein schickes Appartement unterwärts des mons sacer mühsam zu suchen. Ja, ein „Heiliger Berg“ mit allen biblischen Zutaten war dieser Ort allemal. Aber immerhin gab es eine grundsätzliche Chance für die Abtrünnigen: Die Stadt Bielefeld existierte noch. Erst seit Mitte der neunziger Jahre ist diese Aussage durch eine Verschwörungstheorie pandemischen Ausmaßes fraglich geworden.

bethel regenschirm I

Mit Schirm, Charme und Zarathustra (zwischen links und rechts balanciert) wurde oben über und hinter der teuteburgerwaldgewirkten Promenade ein Wille zur Macht unverhohlen mannhaft zelebriert. Nietzsche hätte sich gefreut – und wir waren seinerzeit fröhlicher Urständ teilhaftig, ohne unfrohe Ängstlichkeit. Also damals, WIR, Student*inn*en einer neuen Welt: beschirmt, beschützt, begleitet von schlichtem Glauben und immer gern haargenau daneben, angenehm getrennt von Friseurterminen aller Art – in sicherer unangemeldeter Ferne von Sturmhauben oder Einmalplastikumhängen sowieso … Es waren schöne glänzende Zeiten. Und die zählen erinnernswerterweise anregend genau JETZT.

Nachtrag: Regsamen Geistern möge hier noch der photographische Beleg dafür geliefert werden, dass es sich bei dem Taschenbuch zur Rechten wie zur Linken tatsächlich um Nietzsches Zarathustra gehandelt hat:
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Links zeigen, rechts erklären – Fingerfertigkeit in hoc signo, schwarzbeschirmt. In allen haarigen Angelegenheiten immer gut drauf und rege dabei.

Fontane im Frühjahr 2020

Versuch, den Beginn einer bekannten Ballade herbstlichen Inhalts in den Frühling zu verlegen und dergestalt aus der Anschauung dessen, was gerade erlebt werden kann, zu bearbeiten.

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Herr von Nordbrak auf Nordbrak im Marschenland,

ein Birnbaum in seinem Garten stand,

und kam coronatische Frühlingszeit

und die Blüten leuchteten weit und breit,

da hoffte, wann’s immer vom Turme scholl,

der von Nordbrak inständig glaubensvoll.

Wie es weitergeht, sehen wir beizeiten. Sterben, Klagen und Absperrmaßnahmen gehen vorüber, haben letztlich keine Macht. Am Ende breitet sich Segen aus. Bleiben wir tapfer.